Neuerscheinungen vom 10. Februar 2026

Einleitung: 

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

auch vor 350 Jahren gab es in der Wissenschaft einen überregionalen, ja internationalen Austausch. Wie das funktionierte, ist im diesmaligen Artikel des Monats zu lesen, der den Lebenslauf eines Frankfurter lutherischen Theologen in jener Zeit nachzeichnet.

Artikel des Monats Februar 2026:
Unterwegs in der wissenschaftlichen Welt

Er prägte den gelehrten Diskurs im ausgehenden 17. Jahrhundert: Johann Simon Franc von Lichtenstein. Geboren 1644 als Frankfurter Schuhmachersohn namens Johann Simon Francke, fiel der Junge schon während seiner Zeit am städtischen Gymnasium durch seine außergewöhnliche Begabung auf. Er wurde im März 1663 zum Studium der Theologie in Straßburg geschickt und kehrte im Oktober 1667 als Prediger nach Frankfurt zurück.
Bereits während seiner Studienjahre, später in Leipzig und Wittenberg, trat Franc mit Predigten, Dissertationen und Disputationen hervor. Gerade die Disputation, das Streitgespräch, war damals ein wichtiges Mittel zum wissenschaftlichen Austausch, und Franc erhielt 1670 in Wittenberg nicht nur den Magistertitel, sondern auch die Berechtigung zum Vorsitz in Disputationen. Nach einer Zwischenstation in Frankfurt brach der junge Theologe im Frühjahr 1671 zu einer Peregrinatio academica auf, einer akademischen Bildungsreise, auf der er mit berühmten Theologen und anderen Gelehrten der verschiedensten Glaubensrichtungen kommunizierte – in den bedeutenden Universitäts-, Residenz- und Handelsstädten des Reichs, aber auch in den Niederlanden, in England, Dänemark, Schweden und Polen. Während eines längeren Aufenthalts in Rostock begann er eine Auseinandersetzung über Fragen des Seelenheils mit dem Marburger reformierten Theologen Johannes Hein, die die beiden Gelehrten über sechs Jahre lang in zahlreichen Disputationen und Streitschriften austrugen.
Anfang 1673 kehrte Franc als Prediger in seine Geburtsstadt Frankfurt zurück. 1680 wurde er zum Prorektor des städtischen Gymnasiums berufen. Auch auf diesem Posten organisierte er weiterhin Redewettstreite und Disputationen. Nachdem er 1682 zum Kaiserlichen Hofpfalzgrafen ernannt worden war, heiratete Franc im folgenden Jahr die Pfarrerswitwe Maria Elisabeth Benckher, Tochter des aus einer jüdischen Familie stammenden Pfarrers Georg Philipp Lichtstein oder auch Lichtenstein. Als Franc 1697 in den Reichsadelsstand erhoben wurde, bekam er als Adelsprädikat den Geburtsnamen seiner inzwischen verstorbenen Frau: Franc von Lichtenstein.
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Schluss: 

Ein wissenschaftliches Netzwerk der frühen Neuzeit hat inzwischen die monatliche Artikelserie über die Frankfurter Rechenmeister im FP vor unserem Auge erstehen lassen. Als sechste und letzte Folge in der Reihe erscheint in dieser Lieferung der Artikel über den Schul-, Schreib- und Rechenmeister Johann Caspar Keiser, der erstmals 1667 in Frankfurt sein „Rechen-Büchlein“ veröffentlichte, anfangs noch unter dem Titel „Kurtzgefaßte doch Gründliche Arithmetische Practic (…)“.

Für die Vernetzung in den Naturwissenschaften steht seit 1817 die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, bis 2008 Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft (SNG). Seit vorigen Sommer stellt das Frankfurter Personenlexikon in loser Folge bedeutende Frauen aus den Reihen der SNG vor. Die Senckenbergerin dieses Monats ist die Entomologin Elli Franz.

Die Kommunikation auf wichtigem Gebiet suchte auch der Schauspieler Buddy Elias. Der Cousin von Anne Frank setzte sich unermüdlich, seit 1996 als Vorsitzender des Anne Frank Fonds in Basel, für die Botschaft von Annes Tagebuch, für Verständigung und gegen Diskriminierung ein. In seiner und Annes Geburtsstadt Frankfurt genoss u. a. die Jugendbegegnungsstätte bzw. (seit 2013) Bildungsstätte Anne Frank seine besondere Förderung. Mit seiner optimistischen und zugewandten Art sprach Buddy Elias die Jugendlichen an. Wer ihm einmal begegnet ist, wird ihn nie vergessen.
Der Artikel über Buddy Elias erscheint als bereichernde Ergänzung zu dem Artikel über Anne Frank, der im vergangenen November in aktueller und grundlegender Neufassung im Frankfurter Personenlexikon online herauskam.

Wie der wissenschaftliche Austausch mit modernen Mitteln gelingen kann, haben wir kürzlich hier in der Redaktion des Frankfurter Personenlexikons wieder erlebt. In der Novemberlieferung des FP ist ein Artikel über die Malerin Caroline Schierholz erschienen, und im dazugehörigen Editorial war bedauernd angemerkt, dass die stadtbekannte Künstlerin zwar viele Porträts anderer Personen gemalt habe, aber bisher kein Bildnis von ihr selbst zu ermitteln gewesen sei. Das las Dr. Eberhard Schwarz aus Kerpen. Caroline Schierholz war die Tante seiner Großmutter Friederike Schierholz (1872-1956), und in seinem Familienalbum fand sich eine Fotografie, die die Künstlerin inmitten ihrer Werke zeigt. Spontan hat Herr Dr. Schwarz dieses Foto als Abbildung zum Artikel über Caroline Schierholz im FP zur Verfügung gestellt. Dank Herrn Dr. Schwarz können Sie, liebe Leserinnen und Leser, jetzt hier Caroline Schierholz auch sehen, wenn Sie auf den Link klicken.

Ermutigt durch diesen Erfolg will ich heute erneut die Möglichkeiten der Kommunikation im weltweiten Netz nutzen und gleich eine kleine Liste von Personen an Sie weitergeben, von denen die Redaktion trotz vielfältiger Mühen bisher kein Porträt ermitteln konnte. Es fehlen etwa Bildnisse
des Brauereidirektors Fritz Binding,
des Architekten Willi Cahn,
der Fotografin Katharina Culié,
des Journalisten August Kruhm,
des Arztes Otto Neubürger oder
des Architekten Alfred Schild.
Merkwürdigerweise ist es oft besonders schwer, Artikel über Persönlichkeiten aus dem späten 19. und dem 20. Jahrhundert zu bebildern. Aber gerade aus diesen Zeiten gibt es in Ihrem Besitz, liebe Leserinnen und Leser, vielleicht noch Fotoalben, Vereinschroniken oder Tagebücher, in denen sich ein Foto einer der gesuchten Personen finden lassen könnte.
Wenn Sie ein passendes Bild entdeckt haben und dem FP zur Onlineveröffentlichung zur Verfügung stellen möchten, freue ich mich über Ihre Nachricht unter:
info@frankfurter-personenlexikon.de
Selbstverständlich werde ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, demnächst an dieser Stelle berichten, ob mein Aufruf zum Erfolg führte.

Einstweilen knüpfen wir von Knoten zu Knoten das Netz des Frankfurter Personenlexikons weiter.

Mit verbindlichen Grüßen
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. März 2026.