Elias, Bernhard Paul Erich, gen. Buddy, auch gen. Bernd. Psd.: Bernhard Frank, Elias Frank. Schauspieler. * 2.6.1925 Ffm., † 16.3.2015 Basel.
E. stammte mütterlicherseits aus einer liberalen jüdischen Familie, die vonseiten der Großmutter
Alice Betty Frank, geb. Stern (1865-1953), seit Generationen in Ffm. verwurzelt war. Jüngerer Sohn des aus Zweibrücken kommenden Kaufmanns Erich Elias (1890-1984) und dessen Ehefrau Helene, gen.
Leni, geb. Frank (1893-1986). Ein Bruder:
Stephan Carl (auch: Karl) Robert Michael E. (1921-1980), Kaufmann. Cousine:
Anne Frank (1929-1945), Autorin des weltbekannt gewordenen Tagebuchs. Verheiratet (seit 1965) mit der österreichischen Schauspielerin Gertrud, gen.
Gerti E., geb. Wiedner (* 1933). Zwei Söhne: Patrick E. (1966-2023), Schauspieler; Oliver E. (* 1971), Schauspieler. Enkel*in: Leyb-Anouk E. (* 1997), Schauspieler*in.
Die Eltern Erich und Leni E. wohnten nach ihrer Heirat am 16.2.1921 in Ffm. zunächst in der Staufenstraße 10, ab Oktober 1922 am Beethovenplatz 9 in Ffm. Im Oktober 1926 zogen sie mit ihren kleinen Söhnen Stephan und Buddy in das Haus von Lenis Mutter Alice Frank in der Mertonstraße (ab 1932: Dantestraße) 4 im Ffter Westend, wo damals auch Lenis Bruder Otto Frank (1889-1980) mit seiner Frau Edith, geb. Holländer (1900-1945), und seiner acht Monate alten Tochter Margot (1926-1945) lebte. Auch nach dem Auszug von Otto, Edith und Margot Frank in eine eigene Wohnung im März 1927 blieben die Familien E. und Frank eng verbunden, und die Kinder Stephan, Buddy, Margot und die am 12.6.1929 geborene
Anne wuchsen als Spielkameraden miteinander auf.
Stephans und Buddys Vater Erich E. war mit der Heirat zu Beginn der 1920er Jahre zunächst in das von seinem verstorbenen Schwiegervater gegründete und aufgebaute Bankgeschäft Michael Frank eingetreten, das er zusammen mit seinen Schwägern Otto und Herbert Frank (1891-1987) weiterführte. Angesichts der über die Inflationszeit anhaltenden Krise des Bankhauses versuchte Erich E. wohl schon seit Ende 1926, sich beruflich neu zu orientieren. Er ging schließlich nach Basel, wohin er sich im Mai 1929 von Ffm. abmeldete, und nahm das Angebot seines Freundes Robert Feix (1893-1973) an, die schweizerische Vertretung der Opekta-Werke, einer Tochter der in Ffm. gegründeten Pomosin-Werke zum Handel mit dem Geliermittel Pektin, aufzubauen; später (ab 1938/39) arbeitete Erich E. für die „Unipektin AG“ in Zürich. Leni E. folgte ihrem Mann nach Basel, laut dem Eintrag in der Einwohnermeldekarte bereits im Dezember 1929, während die beiden Söhne noch bei der Großmutter in Ffm. wohnen blieben. Nach einiger Zeit holten Erich und Leni E. die Kinder nach, spätestens 1931 Buddy, dann 1932 Stephan. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme übersiedelte Alice Frank im September 1933 ebenfalls nach Basel und verkaufte das Ffter Haus. Zu diesem Zeitpunkt hatten auch ihre drei Söhne Robert (1886-1953), Otto und Herbert Frank (Lenis Brüder und Buddys Onkel) bereits Deutschland verlassen. Otto Frank emigrierte mit seiner Familie 1933/34 nach Amsterdam, wo er, aufgrund eines von Erich E. vermittelten Angebots, den Aufbau und die Leitung der niederländischen Vertretung der Opekta-Werke übernahm. Von Amsterdam aus besuchte er vor Kriegsbeginn regelmäßig seine Familie in der Schweiz, oft begleitet von einer seiner Töchter. So brachte Otto Frank die kleine
Anne in den Sommern 1935 und 1936 nach Sils Maria/Oberengadin und wahrscheinlich im Winter 1937 nach Basel mit. Buddy und
Anne, die sich in ihrem lebhaften und verspielten Naturell glichen, schlossen sich während dieser Besuche eng aneinander an. Nach dem Untertauchen der Familie Frank in Amsterdam träumte
Anne in ihrem Tagebuch einmal davon, wie sie mit Buddy, der ein exzellenter Eiskunstläufer war, auf dem Eis tanzen würde (18.10.1942).
Besuch der Primarschule, dann des Realgymnasiums (ab 1935) und schließlich der Handelsschule (ab 1939) in Basel. Sportliche Aktivitäten, u. a. als Eiskunstläufer und als Leichtathlet. Erste Bühnenauftritte in Dialektspielen bei öffentlichen Theateraufführungen des Vereins „Quodlibet“ in Basel. 1941 Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit; später (1948) erhielt E. die Schweizer Staatsbürgerschaft. 1942 Beginn einer Optikerlehre, die er abbrach, um Schauspieler zu werden. Zum ersten Vorsprechen an der Schauspielschule unter der Leitung von Ellen Widmann (1894-1985) und Adolf Manz (1885-1949) in Basel wählte E. die Rolle des Faust auf Frankfurterisch, erntete damit einen Heiterkeitserfolg und wurde weggeschickt, durfte aber erneut vorsprechen und wurde aufgenommen. Ab 1944 Schauspielausbildung in Basel und Zürich. Erste Engagements an den Stadttheatern in Basel und Bern, für die Sommerspielzeit 1946 in Winterthur, als Gast am Schauspielhaus Zürich und 1947 auf einer Tournee mit dem Stück „Das Haus in Montevideo“ von und mit Curt Goetz (1888-1960). Von 1947 bis 1961 internationale Tourneen als Eisclown, zunächst bei einer englischen, dann bei einer dänischen Eisrevue und schließlich ab 1949 bei der amerikanischen Show „Holiday on Ice“, wobei E. im Duo „Buddy und Baddy“ bis 1953 mit Otto Rehorek (1922-2016), dann mit Steve Pedley auftrat. Bei einem Gastspiel mit „Holiday on Ice“ vom 19.1. bis zum 1.2.1959 in Ffm. lernte E. den Musikstar Elvis Presley (1935-1977) kennen, der während seines Militärdiensts bei der US Army in Friedberg die Show als Gast besuchte. 1961 Rückkehr nach Basel und zur klassischen Schauspielerei. Wiedereinstieg an der Komödie Basel (in der Rolle als Mönch in Anouilhs „Beckett oder die Ehre Gottes“). Engagements am Landestheater Tübingen (1962-64; u. a. als Mephisto in
Goethes „Urfaust“ und in der Titelrolle von Hopwoods „Der Mustergatte“), an der Komödie Basel (1964-68; u. a. in der Titelrolle von
Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“), am Schauspielhaus Zürich (1968/69), am Theater am Goetheplatz in Bremen (1969-72), am Nationaltheater Mannheim (zeitweise als Gast, 1972-75) und an der Freien Volksbühne in Berlin (1974-79). Von 1979 bis 1986 Tätigkeit als freischaffender Schauspieler an verschiedenen Berliner Bühnen, am Shaftesbury Theatre in London (als Old January in dem Musical „Canterbury Tales“, 1979) u. a. 1986 Rückkehr nach Basel und in das Elternhaus in der Herbstgasse 11, wo das Ehepaar E. seitdem lebte. Weiterhin Tätigkeit als freier Schauspieler (u. a. bei der Helmut Förnbacher Theater Company Basel in der Titelrolle von Molières „Tartuffe“, 1992, und bei den Salzburger Festspielen als Calchas in Offenbachs „La belle Hélène“, 2000). Mitwirkung in zahlreichen Hörspielen, Fernsehproduktionen (u. a. als Friseur Theo Stutz in der ZDF-Serie „Mit Leib und Seele“, vier Staffeln mit insgesamt 51 Folgen, 1989-93; mit Günter Strack und
Liesel Christ) und internationalen Filmen (u. a. als Herr Sonnenschein in „Der Zauberberg“, Regie: Hans W. Geißendörfer, 1982, als Rabbi in „Mutters Courage“, Regie: Michael Verhoeven, 1995, und zuletzt in einer winzigen Rolle in „Monuments Men – Ungewöhnliche Helden“, Regie: George Clooney, 2014).
Otto Frank hatte seine Neffen Stephan und Buddy E. als Vertreter der Familie in den Stiftungsrat des 1963 gegründeten Anne Frank Fonds in Basel bestellt, einer Stiftung, die das Erbe und die Autorenrechte von
Anne Frank in der Rechtsnachfolge von
Anne bzw. Otto Frank verwaltet. Nach dem Willen des Stifters Otto Frank sollen mit den Einnahmen aus dem Werk von
Anne Frank soziale, edukative und kulturelle Aufgaben im Sinne der Botschaft von
Annes Tagebuch erfüllt werden, wie Otto Frank selbst einmal ausführte: „Die Stiftung soll zum besseren Verständnis unter den Religionen beitragen, dem Frieden unter den Völkern dienen und die internationalen Kontakte unter Jugendlichen fördern.“ (Zit. nach Pressler: „Grüße und Küsse an alle“. Die Gesch. d. Fam. Frank 2009, S. 378.) E. engagierte sich seit 1986 stärker im Stiftungsrat und übernahm 1996 den (ehrenamtlichen) Vorsitz des Anne Frank Fonds. Auf zahlreichen Reisen, die er für die Ziele des Fonds in Erinnerung an seine Cousine
Anne Frank unternahm, kam er auch immer wieder in seine und
Annes Geburtsstadt Ffm. So gab er etwa eine Gesprächsveranstaltung im Rahmenprogramm der Ausstellung „
Anne aus Frankfurt“ im Historischen Museum (22.7.1993), saß auf dem Podium in einem Zeitzeugengespräch bei der Gedenkveranstaltung der Stadt Ffm. und des Ffter Jugendrings zum 65. Geburtstag von
Anne Frank im Schauspiel Fft. (12.6.1994), sprach ein Grußwort bei der Gedenkfeier der Stadt Ffm. und der Jugendbegegnungsstätte (JBS; seit 2013: Bildungsstätte) Anne Frank zum 75. Geburtstag von
Anne Frank im Kaisersaal (13.6.2004), schenkte
Anne-Frank-Rosen, die vor dem Jüdischen Museum und vor der JBS Anne Frank gepflanzt wurden (Oktober 2011), präsentierte zusammen mit Fritzi Haberlandt (* 1975) und Mirjam Pressler (1940-2019) die Gesamtausgabe der Werke von
Anne Frank in der Deutschen Nationalbibliothek in Ffm. (November 2013) und nahm lebhaften Anteil an den Veranstaltungen der Bildungsstätte Anne Frank zum 85. Geburtstag von
Anne Frank (11./12.6.2014), u. a. mit einer Preisverleihung zum Abschluss des Jugendwettbewerbs „
Anne Frank heute“. Seit 2007 vergab er im Namen des Fonds alljährlich an Margot Franks Geburtstag am 16. Februar das Buddy-Elias-und-Otto-Frank-Stipendium für eine Forschungsarbeit im Anne-Frank-Archiv. Bis zuletzt setzte sich E. dafür ein, auf der Grundlage des Tagebuchs von
Anne Frank erzieherisch gegen Antisemitismus und Diskriminierung zu wirken. Das karitative Engagement des Anne Frank Fonds, das er und seine Frau Gerti E. verantworteten, wird von der Stiftung fortgeführt.
2007 Basler Stern. 2012 Ehrenplakette der Stadt Ffm.
Auf Initiative von E. entstand 2012 das „Familie Frank Zentrum“ des Jüdischen Museums Ffm. in Kooperation mit dem Anne Frank Fonds Basel mit umfangreichen Beständen aus dem Nachlass der Familie Frank-E. Die Sammlung, die als Dauerleihgabe von Buddy E. und dem Anne Frank Fonds an das JMF kam, umfasst Objekte wie Gemälde, Möbel, Porzellan und Bücher, rd. 100.000 Dokumente und Briefe sowie rd. 6.000 Fotos aus dem Besitz der Familie Frank und der mit ihr verwandten Familien Stern, Cahn und E.; dazu kommt das Geschäftsarchiv des Anne Frank Fonds. Der archivierte und digitalisierte Bestand des „Familie Frank Zentrums“ dient der Erforschung und Vermittlung jüdischer Familiengeschichte. In einer in Anwesenheit von Buddy und Gerti E. eröffneten Kabinettausstellung „Einblick – Ausblick“ wurde 2013/14 erstmals eine Auswahl aus der Sammlung im JMF gezeigt. Seit der Wiedereröffnung des umgebauten und erweiterten Jüdischen Museums 2020 wird ein Teil der Sammlung des „Familie Frank Zentrums“ in einem Raum der neuen Dauerausstellung „Wir sind Jetzt“ im Rothschildpalais präsentiert.
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