Franz, Anna Maria Elisabeth (eigentl.: Elisabethe), gen. Elli. Dr. phil. nat. Entomologin. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 18.8.1896 Ffm., Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 16.10.1983 Ffm.
Tochter des Kaufmanns Johann Jacob
Ludwig F. und dessen Ehefrau Maria Margarethe, geb. Zorbach. Ledig. Keine Kinder.
F. besuchte ab 1903 die Elisabethenschule, ab 1909 die Schillerschule in Ffm. Dort war sie Klassenkameradin ihrer späteren Senckenberg-Kollegin
Tilly Edinger. Das Abitur legte sie 1916 gemeinsam mit
Tilly Edinger (1897-1967; Paläoneurologin), Marta Fraenkel (1896-1976; Medizinerin und leitende Kuratorin am Deutschen Hygiene-Museum in Dresden),
Rose Hölscher (1897-1965; Medizinerin) und Lucie Ney (später verh. Jessner, 1896-1979; Psychiaterin) ab.
Ab dem Wintersemester 1916/17 studierte F. Biologie, Mathematik und Physik an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Ffter Universität. Zu ihren akademischen Lehrern zählten u. a. der Physiker
Max Born, der Geologe und Paläontologe
Fritz Drevermann, der Botaniker
Martin Möbius, der Mathematiker
Arthur Schoenflies, der Zoologe
Otto zur Strassen und der Physiker
Richard Wachsmuth. Bereits während ihres Studiums entwickelte F. ein Interesse an der Entomologie (Insektenkunde) und geriet so in das Umfeld der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, deren Mitglied sie 1919 wurde. Im Januar 1922 wurde sie bei
Otto zur Strassen mit einer Dissertation über „Die Äthernarkose der Schmetterlingspuppen, verbunden mit Messungen ihrer Kohlensäureausscheidung und ihres osmotischen Druckes“ promoviert; die Arbeit wurde mit „sehr gut“ bewertet.
Unmittelbar nach Abschluss ihres Studiums wurde F. als freiwillige Helferin in der entomologischen Sektion des Senckenbergmuseums tätig. Dort erhielt sie unter deren Leiter, dem Schmetterlingsforscher
Adalbert Seitz, eine praktische Ausbildung. Auf dessen Anregung hin wurde sie im September 1922 als Assistentin eingestellt. Neben eigener Forschung war F. als „rechte Hand“ von
Adalbert Seitz tätig und mit der Neuordnung der Sammlung sowie der Überarbeitung der Schausammlung betraut. In Zusammenarbeit mit der Zeichnerin Gertrud Winter-von Moellendorff (1882-1945) wurde erstmals eine Präsentation der Sammlung nach biologischen Gesichtspunkten umgesetzt.
Nach dem Tod von
Seitz übernahm F. 1938 die Leitung der entomologischen Sektion; zum 1.1.1939 wurde sie fest bei der SNG angestellt und war damit die erste hauptamtliche (besoldete) Leiterin der Sektion, wenngleich noch mit der Bezeichnung als Assistentin und nicht als Kustodin, wie es angemessen gewesen wäre. Diesen Titel erhielt sie erst 1943. F. war 1940 der NSDAP beigetreten, nach eigener Aussage in ihrem späteren Fragebogen zur Entnazifizierung, um „Kustodin zu werden, was ohne Nazi-Reg. schon 1936 erfolgt wäre“ (HLA, Hess. Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Spruchkammerakten, Best. 520/11 Nr. 23752, S. 3); zudem gehörte sie seit 1937 der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) an. Ihre politische Haltung wird in keiner anderen Quelle erwähnt oder thematisiert. Im Zuge der Entnazifizierung nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt F. ein entlastendes Zeugnis von
Anne Bringezu und wurde im Spruchkammerverfahren als Mitläuferin eingestuft.
Während des Zweiten Weltkriegs war F. für die Auslagerung der entomologischen Sammlung verantwortlich. Gemeinsam mit der Museumslaborantin Gertrud Wolfart evakuierte sie die Bestände in ein Ausweichquartier, bestehend aus einem Gasthaussaal und zwei Schulsälen in (Nidda-)Oberlais/Wetterau. Dort betreute sie die Sammlung und pendelte zwischen Auslagerungsort und Museum. Ab 1945 organisierte sie den Rücktransport; bis Ende 1946 wurden unter schwierigen Bedingungen sämtliche Insektenkästen wieder nach Ffm. überführt. Bereits seit ihrer Festanstellung 1939 war F. für die praktische Ausbildung der Lehrlinge, darunter auch
Margot Perl, am Senckenberg zuständig. In den Nachkriegsjahren fungierte F. zudem als Vertrauensperson für nichtwissenschaftliche weibliche Mitarbeitende.
1962 trat F. in den Ruhestand. Sie blieb jedoch bis über ihren 80. Geburtstag 1976 hinaus ehrenamtlich für die SNG tätig und veröffentlichte weiterhin Arbeiten zur Käferfamilie der Cerambycidae.
Der wissenschaftliche Schwerpunkt von F. lag auf der Erforschung von Käfern (Coleoptera) und insbesondere Bockkäfern (Cerambycidae). Auf diesem Gebiet erlangte sie internationale Anerkennung und etablierte sich als Expertin. Darüber hinaus befasste sie sich mit Schadinsekten und deren Bekämpfung. F. veröffentlichte insgesamt mehr als 120 wissenschaftliche Arbeiten. Außerdem gab sie eine Auswahl der Reiseberichte von
Adalbert Seitz heraus und verfasste dazu ein Vorwort mit dessen Biographie („Als Naturforscher durch alle Erdteile“, 1951). Mit ihrem Engagement und ihrem Fachwissen brachte F. während ihrer Amtszeit die Entomologie bei der SNG deutlich voran.
1964 Senckenberg-Medaille in Silber. Korrespondierendes Mitglied des Entomologischen Vereins Apollo in Ffm.
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