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Rothschild, David

David Rothschild

David Rothschild
Fotografie von J. B. Ciolina.

© Institut für Stadtgeschichte, Ffm. (Sign. S7P Nr. 12005).
Rothschild, David. Dr. med. Arzt. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 30.3.1875 Ffm., † 7.8.1936 Stockholm.
Fünftes Kind des in (Haßmersheim-)Hochhausen/Neckar geborenen Kaufmanns Wilhelm R. (1836-1906), des Inhabers der Handlungsfirma „Joseph Adler jr.“ (ursprünglich für Hadern, Knochen und chemische Rohprodukte, später für Alteisen, Schrott und Metall) in Ffm., und dessen aus (Gottmadingen-)Randegg/Baden kommender Ehefrau Stella, geb. Schott (1840-1926), einer Rabbinerstochter und Schriftstellerin. Die Eltern übersiedelten 1871 von Heilbronn nach Ffm. und erwarben hier 1877 das Bürgerrecht für sich und ihre Kinder. Vier Schwestern und drei Brüder. Verheiratet (seit 1912) mit Stephanie R., geb. Abeles (1889-1988). Drei Kinder: Liselot R. (seit 1934 verh. Lehmann, 1913-2003); Max Wilhelm R. (1915-1970), Kaufmann, seit 1951 in Kanada; Hans Heinrich R. (1918-?), Kaufmann.
Von 1888 bis 1893 Besuch des Kaiser-Friedrichs-Gymnasiums in Ffm. Medizinstudium in Würzburg (u. a. bei Theodor Boveri und Wilhelm Conrad Röntgen), Heidelberg und Gießen. 1897 Promotion bei dem Hygieniker Karl Bernhard Lehmann (1858-1940) in Würzburg. 1898 Approbation in Würzburg. Nach Assistenztätigkeiten bei Achille de Giovanni (1838-1916) an der Inneren Klinik der Universität Padua, an der (Israelitischen) Kuranstalt in Soden (informell und seit 1922 amtlich: Bad Soden) am Taunus und bei Carl Weigert am Pathologisch-anatomischen Institut in Ffm. sowie weiterbildenden Aufenthalten in Italien, Frankreich, England und Russland ließ sich R. im April 1899 „als pract. Arzt und Badearzt“ in Bad Soden nieder (lt. eigener Anzeige in der Amtlichen Fremden-Liste von Bad Soden, 3.5.1899). Er führte dort zeitweise auch eine eigene Kurpension und erweiterte seine Praxis später um ein Röntgen-Institut (für Lichtkuren u. a. Therapien). Seit 1911 war R. als konsultierender Arzt bei Erkrankungen der Atmungsorgane und des Herzens bzw. (spätestens ab 1916) als Facharzt auf diesem Gebiet in Ffm. tätig, wobei er anfangs (bis Adr. 1919/20) in den Sommermonaten seine Praxis in Bad Soden noch weiterführte. Im Ersten Weltkrieg war R. als landsturmpflichtiger Arzt zum Kriegsdienst eingezogen. Er leitete das Reserve-Teillazarett des XVIII. Armee-Korps, das als Beobachtungsstation für lungenkranke Soldaten von 1915 bis mindestens 1917 im Kurhaus Kronthal im Taunus eingerichtet war; auch in den ersten Nachkriegsjahren blieb er Leitender Arzt der Lungenstation des Garnisonlazaretts. Zudem war er Mitglied des Beirats im städtischen Komitee zur Bekämpfung der Tuberkulose. Bereits 1917 hatte R. eine Villa in der Bockenheimer Landstraße 124 erworben, wo er künftig seine Praxis mit eigenem Labor und Röntgen-Institut führte und mit seiner Familie wohnte (ab Adr. 1919). Spätestens infolge der Weltwirtschaftskrise geriet R. in eine schwierige finanzielle Lage. Er plante daher den Umbau des Hauses in der Bockenheimer Landstraße zu Mietwohnungen und trennte sich von einem Teil seiner Kunstsammlung, der am 6./7.12.1932 bei der Ffter Zweigstelle des Auktionshauses Hugo Helbing zur Versteigerung kam. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 war R. von den Boykottmaßnahmen gegen jüdische Ärzte betroffen, so dass sich die Situation für ihn und seine Familie weiter verschärfte. Seine drei Kinder emigrierten: Sohn Max R. 1934 über Belgien nach England, Tochter Liselot Lehmann 1935 nach Schweden und Sohn Hans R. 1937 endgültig nach Schweden, nachdem er bereits seit 1934 meist in Stockholm tätig gewesen war. Während eines Besuchs bei seiner Tochter 1936 in Stockholm starb R. an einem Herzinfarkt. Er wurde auf dem dortigen Jüdischen Friedhof beigesetzt. Seine Witwe Stephanie R. kehrte zunächst nach Ffm. zurück, bevor sie im Juni 1938 ebenfalls nach Stockholm emigrierte.
Mitglied des Gemeinderats (1903-12) und des Schöffengerichts in Bad Soden. R. setzte sich für die Verbesserung der dortigen Kurqualität ein und trug damit wesentlich zur weiteren Aufwertung des Images von Bad Soden als Kurort bei.
Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Seit 1904 Mitglied der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. Mitglied der Fft.-Loge des Ordens B’nai-B’rith. Mitglied der Loge zur aufgehenden Morgenröthe.
Von 1925 bis 1928 Vorsitzender bzw. Ehrenvorsitzender des Fußball-Sportvereins (FSV) Fft. Drei Wochen nach dem verlorenen Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft im Ffter Waldstadion (7.6.1925), wodurch der FSV deutscher Vizemeister geworden war, wurde R. am 28.6.1925 zum Vereinsvorsitzenden gewählt. Während seiner Amtszeit wurde am 31.1.1926 das Nachholspiel um die Mainmeisterschaft zwischen FSV und Hanau 93, das der FSV mit 2 : 0 gewann, als eines der ersten Fußballspiele in Deutschland live im Rundfunk übertragen. R. trug maßgeblich zur Modernisierung, Professionalisierung und Kommerzialisierung des FSV bei. Er war für die Planungen sowie für die Wahl und die Beschaffung des Geländes zum Bau eines neuen Stadions am Bornheimer Hang verantwortlich, das unter seinem Nachfolger Alfred J. Meyers (1895-1956) errichtet und am 11.10.1931 eröffnet wurde. Zwischen Meyers, seit 1927 Schatzmeister des Vereins, und R. war es zu Konflikten gekommen. Während R. als vehementer Verfechter des Berufsfußballs auftrat, wollte Meyers am Scheinamateurismus festhalten. Daraufhin hatte R. sein Amt als Vorsitzender zur Verfügung gestellt, und am 30.6.1928 wurde Meyers zu seinem Nachfolger gewählt. 1929 trat R. ganz aus dem Verein aus.
Zahlreiche Fachpublikationen, darunter grundlegende Arbeiten über den Bau des Brustkorbs und die Funktion des Brustbeinwinkels, über Asthma, Lungentuberkulose, Chemotherapie der Tuberkulose und Lungensyphilis.
Anlässlich des 125-jährigen Bestehens des FSV Fft. 2024 wurde R. posthum zum Ehrenpräsidenten des Vereins ernannt.
Seit 2025 Stolpersteine für David R., seine Frau Stephanie R. und die drei Kinder Liselot, Max und Hans R. an der Stelle ihres Wohnhauses in der Bockenheimer Landstraße 124 (nicht erhalten; Grundstück heute im Bereich des Gebäudekomplexes der KfW Bankengruppe) im Westend.
R. besaß eine bedeutende Kunstsammlung süddeutscher Sakralkunst des Barock, die er wohl schon seit seiner Studienzeit in Würzburg zusammengetragen hatte. Zwei große, farbig gefasste Engelsfiguren aus dem Umkreis des Bildhauers Johann Meinrad Guggenbichler (um 1705/10) aus seiner Sammlung wurden im März 1938 aus dem Kunsthandel durch die Stadt Ffm. für deren Skulpturensammlung erworben, 2023 an die Erben nach David und Stephanie R. restituiert und anschließend für das Liebieghaus zurückerworben.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock/Hans-Otto Schembs.
Artikel in: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 221, verfasst von: Hans-Otto Schembs.

Lexika: Bibliographie zur Geschichte der Ffter Juden 1781-1945. Hg. v. der Kommission zur Erforschung der Geschichte der Ffter Juden. Bearb. v. Hans-Otto Schembs mit Verwendung der Vorarbeiten von Ernst Loewy u. Rosel Andernacht. Ffm. 1978.Bibliogr. z. Gesch. d. Ffter Juden, S. 581. | Kallmorgen, Wilhelm: Siebenhundert Jahre Heilkunde in Ffm. Ffm. 1936. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Ffm. XI).Kallmorgen, S. 389. | Renkhoff, Otto: Nassauische Biographie. Kurzbiographien aus 13 Jahrhunderten. Wiesbaden 1985, 2., überarb. Aufl. 1992. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau XXXIX).NB 1992, S. 661, Nr. 3620.
Literatur:
                        
Arnsberg, Paul: Die Geschichte der Ffter Juden seit der Französischen Revolution. Hg. v. Kuratorium für Jüdische Geschichte e. V., Ffm. Bearb. u. vollendet durch Hans-Otto Schembs. 3 Bde. Darmstadt 1983.Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. III, S. 399, 401-403. | 125 Jahre Fussballsportverein Fft. [Innentitel: 125 Jahre FSV Fft. 20. August 1899 – 2024. Festschrift.] Hg.: FSV Fft. 1899 e. V. Konzeption, Gestaltung und Redaktion: Eugen Emmerling, Michael Stein. Ffm. 2024.Herzog, Markwart: Alfred J. Meyers / Dr. David Rothschild. Väter des Stadions am Bornheimer Hang. In: FS Fußballsportverein Fft. 2024, S. 76-87; vgl. auch S. 74f. | Herzog, Markwart/Fassl, Peter (Hg.): Sportler jüdischer Herkunft in Süddeutschland. Stuttgart 2021. (Geschichte und Kultur der Juden in Schwaben 6/Irseer Dialoge 22).Herzog, Markwart: „Goldene Jahre“ im „Fußballerparadies“ am Bornheimer Hang. Die Professionalisierung des FSV Fft. unter der Leitung von Unternehmern jüdischer Herkunft 1925-1933. In: Herzog/Fassl (Hg.): Sportler jüdischer Herkunft in Süddeutschland 2021, S. 113-190. | Physicians at home and abroad / Mediziner des In- und Auslandes. Berlin 1924/25.Dr. med. David Rothschild, Frankfort-on-Main / Dr. med. David Rothschild, Ffm. In: Physicians at home and abroad 1924/25, o. S. | Reimann, Hans: Das Buch von Fft., Mainz, Wiesbaden. München 1930. (Was nicht im Baedeker steht 9).Reimann: Was nicht im Baedeker steht 1930, S. 156. | Seemann, Birgit: „...ein Segen zu werden für die Menschheit...“. Der jüdische Orden B’nai B’rith in Ffm. und seine Logen (1888-1937). Ffm. [Copyright 2023].Seemann: B’nai B’rith in Ffm. 2023, S. 268f. | Soccer and Society. Bisher 27 Jahrgänge. Abingdon 2000-26.Herzog, Markwart: On the spirit of capitalism in football: Dr David Rothschild and Alfred J. Meyers – presidents of FSV Fft., 1925-33. In: Soccer and Society 26 (1925), Nr. 2 (Februar 2025), S. 246-256.
Quellen: Adressbuch der Stadt Ffm., 1832-2003.Einträge der Firma des Vaters: Adr. 1877, S. 4; Adr. 1905, T. I, S. 2 u. 286. | Adressbuch der Stadt Ffm., 1832-2003.Adr. 1906, T. V, S. 4; 1909, T. V, S. 5; 1911, T. I, S. 377 u. T. V, S. 5; 1912, T. I, S. 393 u. T. V, S. 5; 1913, T. I, S. 405 u. T. V, S. 5; 1914, T. I., S. 420 u. T. V, S. 5; 1916, T. I, S. 417 u. T. V, S. 5; 1918, T. I, S. 401 u. T. V, S. 5; 1919, T. I, S. 410 u. T. V, S. 5; 1920, T. I., S. 456 u. T. V, S. 5; 1921, T. I, S. 470; 1925, T. I, S.476; 1931, T. I, S. 603; 1932, T. I, S. 578; 1933, T. I, S. 581; 1934, T. I, S. 557; 1935, T. I, S. 573; 1936, T. I, S. 578. | Adressbuch der Stadt Ffm., 1832-2003.Eintrag der Witwe Stephanie Rothschild in: Adr. 1937, T. I, S. 589. | Hessisches Landesarchiv (HLA), Hessisches Staatsarchiv Marburg (HStAM).Eintrag der Heirat mit Stephanie Abeles, (Bad) Soden, 22.3.1912: HLA, Hess. Staatsarchiv Marburg, Best. 914 Nr. 2939: Standesamt (Bad) Soden am Taunus, Heiratsnebenregister 1912, Nr. 5. | ISG, Sammlung von Firmenbriefen (Briefköpfen), ab 1766.Rezept (mit Briefkopf) von Dr. med. David Rothschild, Arzt für Lungen- und Herzkrankheiten, 5.9.1920: ISG, Firmenbriefe, W4/238. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebücher (Beerdigungs- bzw. Sterbebücher), Ffm., 1565-1850 bzw. 1851-1989.Sterbeurkunde des Vaters Wilhelm Rothschild, gest. am 4.2.1906 in Ffm.: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Toten-/Sterbebuch, Bestand STA 12/365: Standesamt Ffm. I, Sterbeurkunde 1906/I/111 (Bd. 1, S. 111). | ISG, Einwohnermeldekartei („Nullkartei“; Best. A.12.02), ca. 1870-1930.Meldekarte der Eltern: ISG, Nullkartei, Karte: Rothschild, Wilhelm, Kaufmann, Sign. ISG_A.12.02_R11121. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/418. | Frdl. Mitteilungen an d. Verf.Mitteilungen von Kirsten Schwartzkopff, Initiative Stolpersteine Ffm., per E-Mails vom 8./9.5.2025. | Frdl. Mitteilungen an d. Verf.Mitteilungen von Dr. Markwart Herzog, Kaufbeuren, per E-Mails vom 4.7.2025 u. 23.1.2026. | Presse- und Informationsamt (PIA; zwischen 2017 und Sept. 2023: Hauptamt und Stadtmarketing, Abt. Presse) der Stadt Ffm. (Hg.): Pressedienste (Tages- und Wochendienst), dann Service PRESSE.INFO und später Pressenewsletter.Erinnerung an David und Stephanie Rothschild. (...) Bedeutende Barockskulpturen verbleiben im Liebieghaus. In: PIA d. Stadt Ffm., Pressenewsletter, 30.3.2023 (mit einer ausführlichen Presseinformation des Liebieghauses).
Internet: FSV Fft. 1899 Fußball GmbH, Ffm. https://www.fsv-frankfurt.de/ueber-uns/geschichte/
Hinweis: Artikel zur Geschichte des FSV.
FSV Fft., 26.7.2024.
| Hessische Biografie, Kooperationsprojekt des Instituts für Personengeschichte in Bensheim und des Hessischen Instituts für Landesgeschichte in Marburg zur Erstellung einer umfassenden personengeschichtlichen Dokumentation des Landes Hessen. https://www.lagis-hessen.de/pnd/1191862062Hess. Biografie, 18.9.2025. | Liebieghaus Skulpturensammlung, Ffm. https://liebieghaus.de/de/einblicke/die-skulpturen-meines-grossvaters
Hinweis: Beitrag von Iris Schmeisser: „Die Skulpturen meines Großvaters“.
Liebieghaus, 21.1.2026.
| Niemals vergessen! Das Online-Lexikon verfolgter jüdischer Fußballer, Hg.: DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum gGmbH, Dortmund. https://www.fussballmuseum.de/juedische-fussballer/lexikon/mehr/378
Hinweis: Eintrag zu David Rothschild, verfasst von Lewis Wellbrock.
Niemals vergessen – Online-Lexikon verfolgter jüdischer Fußballer, 18.9.2025.
| Stadt Bad Soden am Taunus, Hg.: Magistrat der Stadt Bad Soden am Taunus, Bad Soden am Taunus. https://www.bad-soden.de/freizeit/bad-soden-am-taunus-erleben/sehenswuerdigkeiten-a-z/villa-rothschild/
Hinweis: Artikel über die Villa Rothschild in Bad Soden am Taunus.
Stadt Bad Soden am Taunus, 21.1.2026.
| Stolpersteine in Ffm., Internetdokumentation der Initiative Stolpersteine in Ffm. e. V., Ffm. https://www.stolpersteine-frankfurt.de/media/pages/aktuell/27b0f2db6a-1750415136/infoblatt_01-02_juli_2025_de_final1.pdf
Hinweis: Infoblatt mit den Biographien zu den Stolperstein-Verlegungen am 1. und 2. Juli 2025, S. 25-28.
Stolpersteine in Ffm., 24.10.2025.


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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine/Schembs, Hans-Otto: Rothschild, David. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/952

Stand des Artikels: 26.1.2026
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 07.2014.